Samstag, 27. August 2016

Glyphosat-Diskussion: Nur der Verbraucher zählt!

Darauf, ob der nicht-selektive, systemisch wirkende Herbizidwirkstoff Glyphosat für Menschen krebserregend ist oder nicht, konnten sich Wissenschaft und Behörden nicht einigen. Die Ergebnisse der Studien widersprechen sich und die durchführenden bzw. beauftragenden Seiten – hier die Hersteller, da die Umweltschutzverbände - unterstellen sich gegenseitig methodische Fehler. Die EU-Kommission ist eine Art Kompromiss eingegangen und hat die Zulassung nur um 18 Monate verlängert, in denen weiter untersucht werden soll, statt den Wirkstoff gleich für 15 Jahre wiederzugenehmigen. 



Glyphosat unter Verdacht 

Glyphosat wird nicht nur verdächtigt, Krebs zu verursachen, sondern – ebenfalls umstritten - auch den Hormonhaushalt und die Darmflora zu beeinträchtigen sowie die Ursache für die Zunahme von Fettleibigkeit, Unverträglichkeiten, Reizdarmsyndrom, Depressionen, Alzheimer und Autismus zu sein.

Es gibt aber auch andere Bedenken gegen den flächendeckenden Einsatz von Glyphosat: Glyphosat vernichtet Unkraut!

Blühende Unkräuter im Feld und an Feldrändern sind Nahrungsquellen für Bienen und Unkräuter allgemein sind Ansiedlungsraum für Insekten – darunter die Gegenspieler von Pflanzenschädlingen. Gibt es kein Unkraut mehr, weil die Felder einheitlicher, größer und sauberer werden und die naturnahen Lebensräume immer weiter entfernt liegen, leidet die gesamte Artenvielfalt mancher Landstriche, und zwar oberirdisch – nicht nur Insekten und Spinnentiere, sondern auch Vögel und andere Tiere können dort nicht mehr überleben -, im Boden und - wegen des Austrags durch Überschwemmungen - auch im Wasser. [Am schlimmsten ist diese Entwicklung in Ländern, wo gentechnisch veränderte, glyphosatresistente Pflanzen in Monokulturfeldern enormen Ausmaßes angebaut werden: Die Unkräuter werden resistent und entwickeln sich zu Superunkräutern und so wird immer mehr Glyphosat gespritzt. Das geht uns nichts an? Doch, denn dort wird ein großer Teil unseres Viehfutters erzeugt und nach Deutschland importiert.]

Verbraucher sind verunsichert 

Ist Glyphosat unbedenklich oder nicht? Wem sollen die Verbraucher glauben – den Herstellern und ihren beauftragten Wissenschaftlern oder den Umweltschützern, denen die Pro-Glyphosat-Seite allerdings ebenfalls eigennützige Motive unterstellt?

Meiner persönlichen Meinung nach werden die meisten Verbraucher, die sich mit dem Thema beschäftigen, mehr Vertrauen zu den Natur- und Umweltschützern haben als zu den Herstellern, die meist große Player der Agrarindustrie sind.

Glyphosat überall – ganz normal? 

In Deutschland wurden bei einer Untersuchung im Auftrag von Pro Natura in 70 % der Urinproben Glyphosat nachgewiesen, obwohl die Probanden in städtischen Gebieten wohnten – zu kritisieren ist zwar die relativ geringe Zahl der Probanden pro Land, allerdings wurde Glyphosat bei anderen Untersuchungen auch in Bier, in Muttermilch und im Urin von Kita-Kindern nachgewiesen.

Manche, die für den Glyphosat-Einsatz sind, argumentieren, dass alles in zu hoher Dosis zum Gift wird, auch Salz. Aber kann man das vergleichen? Die Vorstellung, dass der eigene Körper, Muttermilch, die Körper kleiner Kinder oder das Bier, ... anscheinend alles von Glyphosat mehr oder weniger durchsetzt zu sein scheint, ist vielen (den meisten?) Verbrauchern nicht geheuer. Salz kommt natürlich vor, ist sogar lebenswichtig für unseren Stoffwechsel. Glyphosat nicht. Es ist ein synthetischer Stoff, der 1971 von Monsanto patentiert wurde und inzwischen von mindestens 91 Herstellern offensichtlich gewinnbringend vertrieben wird.

Wer ist schuld?

Wem lasten gesundheits- und umweltbewusste Verbraucher an, dass sich das Glyphosat mehr oder weniger überall hin verbreitet und dass man sich mit diesem Thema befassen muss? Klar: Monsanto, Syngenta und der sonstigen Agrarindustrie. Aber wen werfen sie gleich mit in diesen Club der zu Verteufelnden: Landwirte und Gärtner, jedenfalls die, die sich nicht davon distanzieren.

Eindeutig distanzieren tun sich zertifizierte Ökobauern und Biogärtner!

Dies beantwortet meiner Meinung nach auch die Frage, die ich kürzlich las, warum eigentlich keine (konventionellen) Gärtner als kompetente Referenten zu den Urban-Gardener-Veranstaltungen (damit meine ich die der Bürger-Garteninitiativen, nicht die der Betreiber der erdelosen und tageslichtfreien Pflanzenfabriken) eingeladen werden: Wegen der unzureichenden Distanzierung zum rein ökonomischen Denken, das Verbraucher in vielen Fällen mit der Agrarindustrie verbinden.

Meiner Meinung nach sind auch konventionelle Gartenbaubetriebe schlecht beraten, wenn sie sich, wie leider manche Berufsorganisation, mancher Verband und manche Fachzeitung, auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Pro-Glyphosat-Seite berufen. Das ist die Seite, der sie glauben (wollen).

Aber Recht hat am Ende nur eine Seite: die Endverbraucher. Es ist ihr Geld. Sie können kaufen, was sie wollen - und wenn das Erzeugnisse aus dem Anbau ohne Glyphosat sind, dann werden sie diese bevorzugen und die, von denen sie sich mit ihren Wünschen nicht ernst genommen fühlen, die Klippe runterfallen lassen.

Was können Gärtner tun? 

Gärtner sollten mir ihren Kunden und/oder den Konsumenten ihrer Produkte selbst sprechen: Was diese wollen und was es ihnen wert ist.

Wie dumm es ist, Marktveränderungen, neuen Mitbewerbern und den Wünschen der Verbraucher (Gesundheitsbewusstsein, Umweltbewusstsein) mit Arroganz ("Sachargumente ignorierieren sie, handeln rein emotional") und Ignoranz zu begegnen, mussten schon andere lernen. Sie siechen inzwischen dahin oder sind bereits pleite. Beispiele findet man bei den Internet-Suchmaschinen (kennt noch jemand AltaVista?), Handys (Nokia – da war doch mal was) und anderer Elektronik, im Buchhandel (Amazon ist doch keine Konkurrenz für uns!), bei Boutiquen, Kaufhäusern, Zeitungsverlagen … Manchmal mag der Preis eine Rolle gespielt haben, sehr oft waren es jedoch Qualität, Service, das Kennen und Bedienen der Kundenwünsche und Ähnliches.

Gärtnern darf es nicht ums Rechthaben gehen, sondern darum, ihre Kunden/die Verbraucher glücklich zu machen und davon gut leben zu können. Gärtner könnten meiner Meinung nach für Alternativen werben – Alternativen für Glyphosat auf dem Feld, aber auch im Hausgarten. Mit solchen Tipps bringen sie sich auch bei den jungen und/oder umweltbewussten Selbstversorgern und Freizeitgärtnern wieder ins Spiel.




Was können Verbraucher tun?

Von den Verbrauchern wünsche ich mir, dass sie die Gärtner in ihrem persönlichen Umfeld über ihre Wünsche in Kenntnis setzen – freundlich, im persönlichen, netten Gespräch. Gebt den Gärtnern eine Chance – die meisten sind schwer arbeitende Menschen und haben sie mehr als verdient.

Liebe Leser und Leserinnen, wie ist eure/Ihre Meinung zum Thema?


Über die Autorin
Eva Schumann ist Dipl.-Ing. (FH) für Gartenbau. Nach 15 Jahren im Gartenbau wechselte sie in die ITK-Welt, wo sie lange als technische Redakteurin und Web-Content-Verantwortliche arbeitete. Heute ist sie freie Journalistin, Redakteurin und Texterin für die Themen Garten/Gartenbau, Umwelt, Weiterbildung, Internettrends und mehr. http://www.evaschumann.biz

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Mittwoch, 8. Juni 2016

Haaransatz kaschieren - beispielsweise mit Haaransatzkaschierspray

2014 habe ich darüber lamentiert, dass die Ansatzkaschierstifte von Poly Color ohne Ersatz vom Markt genommen worden waren, mit denen man heller oder grau nachwachsende Haaransätze von gefärbtem Haar einfärben konnte, ohne eine aufwändige Haarfärbungsprozedur durchzuführen. Ich hatte verschiedene alternative Möglichkeiten ausprobiert, den Haaransatz zu kaschieren. Nur mit einer war ich recht zufrieden: farbigen Tönungsschaum bzw. Tönungs-Schaumfestiger (Color Mousse) zu verwenden.

Doch was sehen meine neugierigen Augen vor einigen Tagen: Es gibt inzwischen Ansatzkaschiersprays, beispielsweise das L'Oréal Paris Magic Retouch Ansatzkaschierspray in den Farben Blond, Dunkelblond-Hellbraun, Braun sowie Dunkelbraun bis Schwarzbraun, außerdem auch Ansatzkaschierhaarpuder beispielsweise von W7, ebenfalls in verschiedenen Farben von Blond bis Schwarz zum Ansatzkaschieren. Für Rothaarige bzw. Rotgefärbte habe ich leider keine Produkte zum Ansatzkaschieren in diesen Linien gefunden - möglicherweise kann man mit der Revlon Nutri Color Creme*, die es in verschiedenen Rottönen gibt, etwas machen, dazu habe ich jedoch keine eigene Erfahrung.

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Haaransatzkaschierspray von L'Oreal*
So wird das Ansatzkaschierspray aufgetragen:

Sicherheitshalber die guten Badematten aus dem Bad entfernen, die Kleidung mit einem altem Tuch bedecken oder gleich alte dunkle Kleidung anziehen. Wer auf Nummer sicher gehen will, bedeckt auch die Schläfe und die Stirn (man kann beispielsweise Toilettenpapier mit Allzweckcreme "ankleben"). Dann die Spraydose mit dem Ansatzkaschierspray schütteln und aus etwa 10 cm Entfernung auf das trockene Haar am Scheitelansatz, im Schläfenbereich und über andere sichtbare graue Stellen sprühen. Dann warten. Nach einer Minute Trockenzeit sind die Haare laut Firmenangabe wetter-, schweiß- und stylingfest. Erst bei der Haarwäsche wird die Ansatzfarbe herausgewaschen.


So wird das Haarpuder aufgetragen:

Auch in diesem Fall würde ich sicherheitshalber die guten Badematten aus dem näheren Umkreis entfernen und die Kleidung mit einem altem Tuch bedecken. Wer auf Nummer sicher gehen will, bedeckt auch die Schläfe und die Stirn, denn das Puder soll stauben (Toilettenpapier kann man mit Allzweckcreme "ankleben"). Dann das Puder, trocken wie es ist, mit dem beiliegenden Pinsel auf das trockene Haar auftragen - dabei den Pinsel vom Ansatz am Scheitel bis ins noch gefärbte Haar führen.

Meine Erfahrung mit dem Ansatzkaschierspray:

Da meine Haare blond gefärbt und der Scheitelansatz auf dem Oberkopf grau bis weiß ist, hatte ich mir das L'Oréal Paris Magic Retouch Blond bis Mittelblond Ansatzkaschierspray* gekauft. Meine Vorsichtsmaßnahmen zur Anwendung erwiesen sich bei dieser hellen Farbe als überflüssig.

Der Ansatz ist nach dem Auftragen des Ansatzkaschiersprays nicht mehr zu erkennen.

Mit dem Effekt bin ich sehr zufrieden. Das Haar sieht aus wie ungefärbt bzw. wie frisch gefärbt ohne Ansatz. Die Ansatzsprayfarbe verschmilzt ganz natürlich mit dem Teil der Haare, auf dem sich meine übliche Haarfarbe (L'Oréal Paris Excellence Creme Coloration, 8 - Blond, Haarfarbe* ) befindet - die allerdings direkt nach dem Färben dunkler ist als jetzt kurz vor dem nächsten Färben oder als auf der Packung abgebildet.

Die Deckkraft des Ansatzkaschiersprays ist meinem Eindruck nach viel besser als die des Tönungsfestigers und die Anwendung braucht viel weniger Zeit - ohne Vorsichtsmaßnahmen nämlich nur ein paar Sekunden.

Den Puder zum Haaransatzkaschieren habe ich nicht ausprobiert.

Fazit:

Wie beim farbigen Festigerschaum kann man diese Art des Ansatzfärbens bei hell oder grau nachwachsendem Haaransatz empfehlen und so das nächste Haarefärben hinauszögern. Einen dunkelbraunen Ansatz bei blondiertem Haar kann man vermutlich auch mit einem blonden Ansatzkaschierspray genausowenig überzeugend aufhellen wie mit einem blonden Tönungsfestiger. Ansonsten finde ich, dass die Verwendung eines Ansatzkaschiersprays die derzeit einfachste, schnellste und beste Art ist, den Ansatz zu kaschieren - wenn auch leider nicht gerade billig.

Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Ansatzkaschieren gemacht? Ähnliche wie ich oder ganz andere? Wenn ihr das Thema interessant findet, empfehlt den Blogartikel bei Facebook, Google+ oder in anderen sozialen Netzen und abonniert meine Verbrauchermeinung-Blogposts (ganz unten rechts).

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Donnerstag, 7. April 2016

Tomaten können unerwünschte Nebenwirkungen von Bestrahlungen mindern

Damit das Lycopin seine Wirkung bestmöglich im Körper
entfalten kann, sollten die Tomaten mit Öl gekocht werden.
Dass Tomaten (Lycopersicon lycopersicum) sehr gesund sind, ist allgemein bekannt. Auch dass diese Wirkung häufig mit Lycopin, einem Karotinoid und dem roten Farbstoff in Tomaten, zu tun hat. Nun haben Wissenschaftler der Universität Manchester, der Keele Universität und der Charité Universitätsmedizin in Berlin herausgefunden, dass Lycopin auch die unerwünschten Nebenwirkungen von Gamma-Bestrahlungen, die gegen Tumore u. Ä. eingesetzt wird, mindern kann. Darüber hinaus könnte die Aufnahme von Lycopin über die Nahrung bei der Verminderung von Strahlenschäden bei Reaktorunfällen helfen.

Damit das Lycopin die gewünschte Wirkung im Körper entfalten kann, müssen reichlich Tomaten in Öl gekocht und verzehrt werden. Das Öl hilft dem Körper bei der Aufnahme der fettlöslichen Karotinoide und damit der Verwertung des Lycopins.

Die Schutzwirkung des Lycopins auf die Zellen funktioniert am besten bei niedriger Sauerstoffkonzentration im Gewebe, stellten die Wissenschaftler fest. Bei der Tumorbekämpfung selbst soll daher die Sauerstoffkonzentration im Tumor hoch und im gesunden Gewebe drum herum niedrig gehalten werden.

Quellen und weitere Informationen

Tomaten für Garten und Balkon*
auswählen - anbauen - genießen
Eva Schumann
Ulmer Verlag
ISBN: 978-3-8001-8269-5

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